Das Original von 1947

Es gibt derzeitig keine Möglichkeit herauszufinden ob und wie viele Exemplare des Buches in seiner Originalfassung von 1947 noch existieren. Aktuell steht eines bei amazon.com zum Verkauf, allerdings sagt das Foto auf dem das Cover abgebildet ist wenig über den aktuellen Zustand des Buches aus. Man kann und darf warscheinlich nicht zu viel erwarten von einem Buch das bereits seit 65 Jahren in verschiedenen Schubladen und Kisten verbracht hat. Zumal der Artikelstandort in den vereinigten Staaten liegt, hat dieses Exemplar wohl eine längere und interessante Reise hinter sich. Wie es den Weg von Deutschland dort hin gefunden hat, lässt sich nur mutmaßen.

Hier meine Variante, wobei erwähnt sei, dass diese von mir frei erdacht ist:

Jahr: 1947
Standort: Hauptquartier der US-Army in Europa – Heidelberg, Deutschland

Die außerplanmäßige Versammlung  die Lieutenant Colonel James A. Buttwick einberufen hatte wurde mit Argwohn aufgenommen, schließlich war es Freitag und bereits 19 Uhr. Fast alle aus Sergeant Matt Wolfrig’s Zug mussten antreten und sich eine nicht enden wollende Rede über die Verpflichtung die man als Mitglied der US Army trägt anhören. Diese Rede hörten sie nun schon zum gefühlt tausendsten Mal, denn Lt. Colonel Buttwick hielt diese jeden Freitag, immer um 19 Uhr und immer in derselben Tonlage, wie ein leierndes Tonband dass man nicht abschalten konnte. Das erschwerte das Zuhören natürlich und viele aus Zug Nr. 81, dem auch Matt Wolfrig angehörte, fingen an sich im Kopf schon mal mit dem nahenden Wochenende zu beschäftigen.

Aber auch diese Rede fand ihr Ende zum gewohnten Zeitpunkt um 19:18 Uhr. Nachdem Matt Wolfrig und einige andere wieder in Ihre Unterkünfte zurückgekehrt waren, legte sich langsam wieder eine spürbare Ruhe über die Patton Barracks. Einige bereiteten sich in Ihren Barracken auf die anstehende Feier vor, die im nahegelegenen „Club Feuerteufel“ gegen 22 Uhr starten würde. Doch davon wollte Matt nichts wissen, er konnte sich für diese Art von Feiern, bei denen es meistens darauf hinauslief das es zum Schluß Streit um ein Mädchen gab und einige Gläser zu Bruch gingen, einfach nicht begeistern.

Noch vor 2 Jahren kämpfte Matt an der Front mit seinen Kameraden um einen Krieg zu beenden, heute war er nur noch einer von vielen zurückgebliebenen. Stationiert in Deutschland mit der Aufgabe, Berichte aus Kriegsaufzeichnungen anzufertigen und Briefe an das Oberkommando der Army weiterzuleiten. Nicht spannend, aber gut bezahlt. Für Ihn war es gleichzeitig eine Zeit der Aufarbeitung, eine Möglichkeit zu verstehen und vielleicht auch zu vergessen.

Als sogenannter „Pen Pusher“ auf deutsch auch gerne Schreiberling genannt, konzentrierte er sich vor allem auf aktuelle Lektüre aus Zeitungen und Nachrichten. Um Nachrichten und Tagesgeschehen in Deutschland zu dokumentieren blieb Ihm keine Wahl, er musste versuchen diese seltsame deutsche Sprache zu erlernen. Jetzt 2 Jahre intensiven lernens und viele Bücher später, war Matt einer der wenigen die Deutsch als Fremdsprache verstehen und auch sprechen konnten.

Dieser Abend war also wieder einer von vielen, an denen er sich in die Bibliothek begab und bei Willi, so nannten Ihn alle hier, nach neuen Büchern Ausschau hielt. Willi sortierte die Bücher immer ordentlich nach Erscheinungsjahr und Thema, die deutschen Bücher standen gesondert in einem kleineren Bereich, da nur wenige deutsch verstanden geschweige denn lesen konnten. Matt stöberte hier und dort und plauderte zwischendurch mit Willi. Dieser verwies ihn an das Regal mit den deutschen Büchern, gestern seien 3 neue Exemplare reingekommen, auch eines über die letzten Tage des Krieges und was besonders beeindruckend daran sei, geschrieben von einem erst 18 jährigen. Mehr wüsste er aber auch nicht, aber er bat Matt wie immer darum ihm eine Zusammenfassung zu geben, nachdem er es gelesen hätte.

Zwei amerikanische Bücher und das von Willi erwähnte deutsche Buch nahm er mit und kehrte zurück in seine Barracke, wo der Rest der Truppe inzwischen in Richtung „Feuerteufel“ aufgebrochen war. Er legte sich auf seine Pritsche und zündete seine kleine Öllampe an, die neben ihm auf seinem kleinen Schränkchen stand.

Er nahm sich das Buch und beäugte den Titel „Totentanz Berlin – Tagebuchblätter eines 18 jährigen“, na mal schauen, er würde ja nur kurz hineinlesen… Noch vor Anbruch des nächsten Morgens befand er sich auf der letzten Seite und las die letzten Worte die Altner geschrieben hatte. Was hatte er da die ganze Nacht gelesen, wie kann ein nur 18 Jahre alter Junge so etwas schreiben und wie schaffte er es die Szenarien die er selbst auch in ähnlicher Form durchlebte so deutlich und realistisch zu schildern. Er musste versuchen mehr herauszufinden, über diesen Autor, dem es gelang so fesselnd und doch so schmerzhaft zu beschreiben was sich in den letzten Tagen des Krieges abspielte.

Es blieb ihm jedoch eine genauere Recherche verwehrt, der Tod seines Bruders in Wisconsin brachte ihn zusammen mit dem Buch nur wenige Wochen später zurück in die USA. Dort war es ihm jedoch unmöglich etwas über diesen Helmut Altner herauszufinden. Auch hier brachte die Zeit das Vergessen… das Buch jedoch fand seinen Weg in die vereinigten Staaten und wartet dort nun auf einen neuen Leser.

Jens Buthut – Copyright 2012

 

Originalausgabe auf amazon.com

27. April 2012 von Jens Buthut
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